Vorworte

AUCH WIR LIEBEN DIESES BUCH, sonst hätten wir es nicht ins Deutsche übertragen. Dieses Buch führt nicht nur den Geist der Disciplined Entrepreneurship-Reihe auf wunderbare Weise fort, sondern ebenso den Geist unserer eigenen Entrepreneurship-Philosophie, die wir in „Founders for Future: Deep Impact Lean Startup“ (www.wirtschaftsethik.biz/dils) niedergeschrieben haben und die unsere Unterstützung junger Unternehmerinnen und Unternehmer in Praxis und Lehre prägt. Pauls praktische und bewährte Herangehensweise eignet sich perfekt für echte Macherinnen und Macher aus allen Fachdisziplinen und füllt damit eine echte Lücke der verfügbaren Werkzeugkästen für funktionierendes Unternehmertum im deutschsprachigen Raum. Es beleuchtet systematisch genau die Bereiche, die für einen funktionierenden Start einer erfolgreichen unternehmerischen Reise am Markt erforderlich sind, und ist so aufgebaut, dass es für fachdisziplinenübergreifende Teams mit wenig betriebswirtschaftlichem Vorwissen genauso funktioniert wie für betriebswirtschaftliche Profis. Deshalb verwenden wir es auch in unserem Umfeld in Lehre, Coaching und Mentoring. Als erfahrene Führungskräfte aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis versuchen wir immer das Beste aus beiden Welten zu vereinen und einfach machbar zu vermitteln.

Da wir Vielfalt lieben, weil sie das Potenzial für unkonventionelle Lösungen bereitstellt, haben wir unser eigenes Buch bilingual produziert. Auch wer sich im deutsch-sprachigen Raum mit Englisch noch nicht so wohl fühlt, soll mit dem Gedanken der unternehmerischen Gestaltung einer guten Zukunft erreicht werden. Und zwar mit Werkzeugen, die pragmatisch, aber professionell sind und einfach funktionieren. Genau deshalb brauchen wir auch Pauls Buch als deutschsprachige Ausgabe. Für alle, die zunächst in Deutsch denken und gründen, aber für internationalen Erfolg offen Vorworte XV sind. Historische Beispiele dafür gibt es in Gründerland Deutschland ja genug: Carl & Bertha Benz (Mercedes-Benz), Gottlieb Daimler, Ferdinand Porsche, Robert Bosch, Adolf Dassler (adidas) und Rudolf Dassler (Puma), Hugo Boss, Karl & Theo Albrecht (Aldi), Werner von Siemens, Hasso Plattner (SAP), Heinz Sebiger (datev), Reinhard Mohn (Bertelsmann), August Oetker (Dr. Oetker), Else Kröner (Fresenius), Michael Otto (Otto Group), Kaspar Faber (Faber-Castell), Gustav Adam Schwanhäußer (Schwan-STABILO), usw., usw., usw. Und auch wenn wir nach vorne schauen, haben wir in Deutschland wahrlich großartige Potenziale, die sich vielleicht in die Liste der obigen Erfolgsbeispiele einreihen werden:


Carsten Brockmeyer (Praimera Biotech), Zhaopeng Chen (Agile Robots), Alexander Glätzle (PlanQC), Hélène Huby (Nyx), Estefanía & Patrick Lang (dermanostic), Jan Oberhauser (n8n), Robin Rombach (Black Forest Labs), Francesco Sciortino (Proxima Fusion), Madjid Salimi (AMBOSS), usw., usw., usw.


Damit unsere Gründungswilligen nur EIN Buch in die Hand nehmen müssen, spendieren wir ein Kapitel 0 – nämlich den Teil unserer Entrepreneurship-Philosophie, der auch international immer noch nicht ausreichend im Blick ist: Warum und mit welchen Auswirkungen im Blick sollte man unternehmerisch durchstarten? Das Warum klären wir in Kapitel 0, so dass das Wie mit Pauls Buch von Beginn an ein sauberes ethisches Fundament bekommt. Es geht einfach nicht ohne dieses Kapitel, denn in Deutschland ist der Sinn der Wirtschaft das Gemeinwohl und im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft sogar demokratisch selbstorganisiert. Die weltweit einzigartigen dafür zuständigen Industrie- und Handelskammern haben in § 1 ihrer gesetzlichen Grundlagen die Aufgabe, „für die Wahrung von Anstand und Sitte der ehrbaren Kaufleute, einschließlich deren sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung, zu wirken und dabei stets die wirtschaftlichen Interessen einzelner Gewerbezweige oder Betriebe abwägend und ausgleichend zu berücksichtigen.“ In Bayern bringt es die Landesverfassung in Art. 151 auf den Punkt: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl, insbesonders der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins für alle“. So brauchen Gründungswillige im deutschsprachigen Raum eine Antwort darauf, welchen Sinn ihre Gründung jenseits von Ertrag ergibt und ein persönliches Verständnis von dem Mehrwert, den sie für die Gesellschaft erzeugen wollen. Um den ursprünglichen Charakter von Pauls Buch nicht zu verändern, ist dieser Teil bewusst ein Kapitel 0 und so komprimiert, dass es sich in Pauls Leichtigkeit einpasst. Natürlich bieten wir auch eine Website zum Buch und darüber hinaus an, auf der wir Pauls und eigenes Material für Selbstbildung, Ausbildung und Lehre in Deutsch nach und nach verfügbar machen: http://www.foundersforfuture.com/startup-praxis. Und nun: „Lesen Sie weiter – Sie werden es nicht bereuen.“

Harald Bolsinger & Bernd Hanheiser
Prof. & Lehrbeauftragter and der THWS, Unternehmer, Mentor und Coach

Wirtschaftliche Dynamik und Prosperität entstehen nicht von selbst – beides ist nicht selbstverständlich. Sie sind vielmehr Resultat unternehmerischer Entscheidungen unter Unsicherheit. Unternehmertum – getragen von Innovation und Investitionen Beruht hierbei auf Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu tragen und zugleich den Schritt wagen, ihre Ideen in die Tat – in tragfähige Geschäftsmodelle – umzusetzen. Eine Reduzierung der Gründung eines Unternehmens auf individuelle Risikobereitschaft greift zu kurz, sie ist allem voran ein strukturierter Prozess. Wer im Spannungs-
feld von Marktanforderungen & Wettbewerb oder Ressourcenallokation & Regulatorik unternehmerisch handelt, der braucht mehr als bloße Inspiration, es verlangt Systematik und Professionalität.


Eine methodische Orientierung schafft Transparenz. Sie hilft, Annahmen zu prüfen, Prioritäten zu setzen und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Insbesondere in den frühen – nicht immer einfachen – Unternehmensphasen ist es entscheidend, Chancen und Risiken realistisch einzuordnen, sie zu steuern und nicht zuletzt auch im Sinne des eigenen Erfolgs zu nutzen.


Unternehmerische Verantwortung geht über reine Gewinnerzielung stets hinaus. Unternehmerischer Erfolg im betriebswirtschaftlichen Sinne und Nachhaltigkeit im Sinne der Übernahme von Verantwortung für das eigenen Handeln im ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Sinne sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Verlässlichkeit, Integrität, die Fähigkeit zum Aufbau langfristig tragfähiger Strukturen sind Grundvoraussetzungen erfolgreichen Unternehmertum. Dieses Grundverständnis ist hierzulande im Übrigen auch klar und eindeutig gesetzlich definiert. Nach § 1 des
Industrie- und Handelskammergesetzes (IHKG) haben Industrie- und Handelskammern für die Wahrung von Anstand und Sitte ehrbarer Kaufleute zu wirken einschließlich deren sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung. Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil verantwortlichen Unternehmertums.


Wer heute ein Unternehmen gründet, leistet einen gesellschaftlichen Beitrag. Die
jungen Unternehmen von heute sind der erfolgreiche Mittelstand von morgen. Gepaart mit der intrinsischen Motivation, unternehmerischen Erfolg mit Verantwortungsübernahme für Dritte und dem positiven Impact auf eine relevante Gesellschaft gemeinsam zu denken, runden das Bild erfolgreichen Unternehmertums hab. Wer Verantwortung übernimmt und systematisch handelt, schafft die Grundlage für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg.


Erfolgreiches Unternehmertum entsteht dort, wo Verantwortung, Systematik und Mut zum Handeln ineinandergreifen – in diesem Sinne: gehen Sie es an!

Dr. Sascha Gender

Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt